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Zweierpasch – eineiige Zwillinge machen Musik

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geschrieben von Agnes

Interviewzeit – diesmal mit den eineiigen Zwillingen Felix und Till von der Band Zweierpasch aus Freiburg und Straßburg, seit letztem Jahr Adenauer De Gaulle Preisträger, der bisher an Helmut Kohl und Giscard d’Estaing oder Audrey Tautou und Daniel Brühl verliehen wurde. Danke Euch beiden, dass Ihr Euch für dieses Interview bereit erklärt habt. Sicher sehr interessant die Entwicklung mal aus der Sicht von erwachsenen Zwillingen zu sehen.

Lasst uns gleich beginnen. Erzählt doch mal bisschen über Euch, woher kommt Ihr? Wer gehört zu Euch und was macht Ihr so?

Till: Wir sind im Abstand von fünf Minuten auf die Welt gekommen, vor inzwischen 36 Jahren. Unsere Wahlheimat liegt in Freiburg und Straßburg. Aufgewachsen sind wir bei Heidelberg, bevor es uns einige Zeit in verschiedene Städte Deutschlands und vor allem Frankreichs verschlagen hat. Versehentlich werden wir öfters auch für Franzosen gehalten, sind wir aber nur im Herzen. Als eineiige Zwillinge machen wir einiges gemeinsam, haben als Musiker und Bandmanager eine enge berufliche Verbindung, brauchen aber auch immer wieder unseren Abstand zueinander. Zwillinge werden wissen, wovon wir sprechen.

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Zweierpasch – Europa bis Westafrika (Credits Zweierpasch)

Wann habt Ihr beschlossen, gemeinsam Musik zu machen? Was hat den Ausschlag gegeben?

Felix: Als Zwilling hat man definitiv eine besondere Verbindung. Seit wir 15 sind, war Musik für uns das große Ding. Zunächst als Hobby, dann als Beruf. Dass wir das gemeinsam machen, war irgendwie immer klar. Als Künstler pushen wir uns gegenseitig, im Musikbusiness muss man sich durchschlagen können, alleine wären wir soweit nicht gekommen. Die 2 haben wir uns zum Markenzeichen gemacht: 2 Sprachen, 2 Brüder, 2 Länder, kein 2fel 🙂 Der Bandname Zweierpasch war dann logische Konsequenz, auch wenn dazu noch etwa acht weitere Personen gehören.

Till: Schlüsselmomente für unseren Fokus auf eine Musikerkarriere waren etwa die Einladung von Udo Lindenberg 2014, Tourneen in Afrika oder Osteuropa, der Adenauer de Gaulle Preis 2018 in Paris oder die Vorband für Nico Santos.

Wie beschreibt Ihr Eure Musik am besten?

Felix: Wir nennen unser Genre “World HipHop”. Wir kommen aus der HipHop-Kosmos, finden das heute aber zu eng und zu belastet. Wir mischen HipHop mit Reggae, Dancehall, World Music, Funk und Chanson. Unser große Band erfindet sich immer wieder neu, unsere Bläsersection wächst, wir experimentieren mit elektronischen Klängen. Man könnte uns vielleicht zwischen The Roots und Irie Révoltés einordnen, oder auch ganz anders. In zwei adjektiven : poetisch politisch. Das bringt es gut auf den Punkt. 

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Ende November erscheint ja Eure neue CD, inklusive dem Zwillingssong „Meilensteine“ – was hat es damit auf sich?

Till: Die Albumveröffentlichung steht kurz bevor, am 29. November ist es soweit. Wir feiern das mit einem “Zwillingskonzert” in Freiburg und Colmar, als in beiden Ländern. Es gab früher schon mal einen Song übers Brudersein, da war aber mal ein Update fällig. “Meilensteine” ist ein Track der uns ganz besonders am Herzen liegt. 

Felix: Zwillingsein ist lebensprägend. Unsere Wege verlaufen aber nicht immer parallel. Im Lied heißt es : “folgen Spuren, die sich vereinen, kreuzen Yin und Yang und setzen Meilensteine”. Das Album wurde “Un peu d’Amour” (Ein bisschen Liebe) getauft. In politisch unruhigen Zeiten ist Zusammenhalt unverzichtbar, zwischen Brüdern, Freunden, Bevölkerungsgruppen, Religionen. Obendrein ist unser Gitarrist vor kurzem Vater von Zwillingen geworden. Wir werden auch beide um den Jahreswechsel Vater, das Zwillingsding hört einfach nicht auf. 🙂

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Zweierpasch – Rebell (Credits Stefanie Ringshofer)

Ich hatte im Vorfeld, andere Leser meiner Webseite gefragt, welche Fragen sie am meisten interessieren würde, wenn man die Möglichkeit hat, mal erwachsene Zwillinge zu befragen, diese möchte ich Euch nachfolgend noch stellen. Wir sind gespannt auf die Antworten 😊

Habt Ihr Euch schon einmal in die gleiche Frau verliebt? Und kam es diesbezüglich mal zu Verwechslungen, weil Eure Partner Euch nicht auseinanderhalten können?

Till: Mit Beziehungssachen ist nicht zu scherzen, Lehrer, Kollegen oder Freunde muss man als Zwilling aber unbedingt an der Nase herumführen. In die gleiche Frau verliebt haben wir uns noch nicht so richtig, ist vielleicht auch gut so. Unserer Partnerinnen erkennen uns eigentlich blind, aber lustige kleine Verwechslungen wie eine versehentliche Umarmung von hinten im Tumult einer Party, das kam schon mal vor und sorgte bei allen für Erheiterung.

Fühlt Ihr Euch jetzt, als Erwachsene immer noch so verbunden, wie als Kinder oder habt Ihr Euch eher auseinandergelebt? Wie groß sind die Unterschiede in Eurem Verhältnis von früher zu jetzt?

Felix: Zunächst waren wir uns als Kinder optisch einfach zum verwechseln ähnlich. Unsere Eltern entschieden sich eines Tages dafür, Felix einen Fingernagel lila zu lackieren, damit keiner 2x gestillt wird. Bei Baby- und Kinderfotos wird heute noch heiter diskutiert, wer wer ist. Inzwischen fragt man uns eher: “Was, ihr seid Zwillinge?” Unser gemeinsames Musikersein verbindet uns enorm, aber natürlich auch das Private. Jeder lebt sein Leben, aber mit vielen Schnittpunkten.

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Zweierpasch

Rückblickend gesehen, habt Ihr Euch immer gerecht behandelt gefühlt oder eher nicht?

Felix: Als Zwillinge wurden wir in Schulzeiten gerne gemobbt, wir hatten rote Haare, Sommersprossen und sahen uns super ähnlich. Das war nicht immer einfach. Nach der gemeinsamen Schulzeit war unbedingt eine Trennung nötig. Wir wollten endlich als eigenständige Personen wahrgenommen werden. Fragen à la “Wie gehts EUCH”, Was macht IHR am Wochenende” oder “Was wünscht IHR euch zum Geburtstag” waren wir echt satt. Da einen eigenen Weg zu gehen, verschiedene Studiengänge zu machen, verschiedene Berufsfelder zu haben, das hat uns gestärkt. Trotzdem genießen wir es, unsere Kräfte zu bündeln. Wir sind als Zwillinge ein schwer zu schlagendes Team.

Gibt es etwas, was Ihr uns Zwillingseltern als Rat mitgeben würdet? Was können wir als Eltern gegen Streit und Konkurrenzkampf zwischen den Zwillingen tun?

Till: Zwillinge unterschiedlich sein lassen und als Einzelpersonen wahrnehmen, auch wenn sie ein Doppelpack sind. Man vergleicht sich zwangsläufig, was nicht immer einfach ist, sei es etwa bei unterschiedlichen schulischen Leistungen oder Erfolg im Liebesleben. Wir waren lange in der gleichen Klasse. Ich würde das wieder so wollen, erst in der Oberstufe haben wir verschiedene Kurse gewählt. Das war gut so. 

Felix: Nicht immer einfach war es sicher auch für unsere Schwester, sie war die Dritte im Bunde. Darauf sollten Eltern auch ein Auge haben. Wir haben, das fällt mir noch ein, als Kinder die Tendenz entwickelt, schnell zu sprechen. Ich glaube das kam daher, dass uns beiden oft gemeinsame Fragen gestellt wurden, jeder wollte zuerst antworten. Auch darauf könnte man als Eltern Acht geben.

Auf was würdet Ihr achten, wenn Ihr selbst Zwillinge bekommen würdet?

Felix: Wie oben gesagt, sie in ihrem Zwillingssein stärken, ihnen aber das Gefühl geben, verschieden sein zu dürfen, ein Individuum zu sein. Ich würde Ihnen empfehlen, verschiedene Berufe zu lernen. Wir sind studierter Politikwissenschaftler und Pädagoge (Felix) sowie Journalist (Till). Sollten sie später gemeinsame Sache machen wollen, haben sie gleich verschiedene Kompetenzen vereint, ist doch ideal. 

Was empfandet Ihr schlimm und würdet Ihr Eltern raten, auf keinen Fall zu tun?

Till: Wir hatten häufiger die gleiche Kleidung, aber in verschiedenen Farben. Wie auch heute noch auf der Bühne, rot bei Till, blau bei Felix. Exakt das gleiche zu tragen würde ich spätestens nach der Babyzeit absolut vermeiden. Das verstärkt nämlich genau das, was wir als negativ erfahren haben: Nicht als eigenständige Person wahrgenommen zu werden.

Wart Ihr in der Kita und/oder Schule getrennt oder zusammen? Wie empfandet Ihr dies und würdet Ihr eigene Zwillinge eher trennen oder gemeinsam die Schule/Kita erleben lassen?

Felix: Wir haben diese Zeit zusammen erlebt und erst zum Abitur verschiedene Kurse belegt. Ein Jahr echte Trennung nach der Schulzeit hat uns dann aber gut getan, bevor wir zum Studieren wieder gemeinsam nach Freiburg gegangen sind. Heute leben wir in verschiedenen Städten, haben aber täglich Kontakt.

Gab es bei Euch jedes Spielzeug doppelt oder eben nur 1x? Wie fandet Ihr dies?

Felix: Wir hatten einiges doppelt, einiges gemeinsam. Je älter man wird, desto wichtiger wird vielleicht das Eigene. Teilen zu lernen ist elementar, nicht nur zwischen Brüdern und Schwestern, auch im größeren Kontext. Neid und Habgier stürzt unsere Welt bis heute in Konflikte und Kriege. Insofern würden wir Eltern eher generell darin bestärken wollen, eine Familie mit mehreren Kindern zu planen. Das ist eine Festung, fürs Leben. Und dazu Auslandserfahrungen ermöglichen, fremde Kulturen kennen lernen. Wir haben daraus unsere Kraft und Inspiration für unsere Kunst und unser politisches Wirken gezogen.

So genug der Fragen von uns neugierigen Eltern 😉 Wie kann man Euch am besten erreichen? Wo findet man Eure Webseite und andere Kontaktmöglichkeiten?

Till: Am nähesten dran ist man über Social Media, da gibt es regelmäßig auch Zwillingsbilder. Auch unsern Blog füttern wir sehr regelmäßig.

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Unsere letzte Single “Lichter” gibt es mit Video auf Youtube. Sonst natürlich alles auf Spotify, Deezer, Apple Music etc. Das Album “Un peu d’Amour” mit dem Zwillingssong “Meilensteine” gibt es ab dem 29.11. auf allen Kanälen und für Liebhaber als Doppelvinyl.

Wollt Ihr abschließend noch etwas mitteilen? Dann ist hier der richtige Moment.

Felix: Wir sagen Danke und grüßen alle Zwillinge, Zwillingseltern und Zwillingsgeschwister. Freuen uns euch auf Social Media zu begegnen. Vielleicht spielen wir ja auch mal ein Zwillingskonzert, mit Zwillingen, unter Zwillingen. Das wäre doch was. So wenige sind wir ja gar nicht.

Danke Euch für das tolle Interview und wir wünschen Euch weiterhin viel Spaß bei Eurer Musik und alles Gute.

 

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Über mich

Agnes

Zwillingsmutter (Jungs) + 1 (Tochter), Musik-, Indien- und Lyrikfan. Arbeitsmässig habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht und arbeite als Head of Online-Marketing für einen Finanzdienstleister. Falls Du Fragen zum Marketing / SEO für deine Webseite hast, kannst Du mich gerne einfach anschreiben.