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Germany‘s next Top Toddler

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Heute mal wieder eine aktuelle Glosse für Euch – Achtung enthält manchen bissigen Kommentar 😉


Eltern sind stolz auf ihre Kinder. Und Eltern geben mit ihren Kindern an. Wir alle sind davor nicht gefeit und haben unsere persönlichen Schwachstellen. Meist werden wir dabei fleißig von anderen Familienmitgliedern unterstützt. Als mein Vater das erste Mal seinen Enkel in Berlin im Kinderwagen spazieren fuhr, kam er vollkommen entsetzt wieder zurück und echauffierte sich darüber, wie ignorant diese Großstädter doch seien – da guckt ja kaum einer mal in den Kinderwagen, um die Niedlichkeit des wohl entzückendsten Neugeborenen der Welt zu bewundern! Von meiner Mutter höre ich regelmäßig Sätze wie: „Das sage ich jetzt nicht, weil es mein Enkel ist, aber der Filius ist ja wirklich ein cleveres Kerlchen!“ Meine Neigung zur Oberflächlichkeit drückt sich in der unbändigen Freude aus, die ich empfinde, wenn der Sohnemann ein Kompliment für seine tollen blauen Augen bekommt. Die sind aber auch hypnotisierend! Zahlreiche Herzen wird er mit ihnen brechen. Wer das nicht erkennt…

Andere Miteltern wiederum können sich schwerlich zurückhalten, wenn es darum geht, den außergewöhnlichen geistigen Entwicklungsstand ihres kleinen Einsteins hervorzukehren. Bei manch einem zeigt sich der Drang nach Besonderheit bereits in der Namensgebung. Da wird ganz gewagt Bullerbü mit altdeutscher Klassik gemischt um eine verwegen intellektuell klingende Doppelnamenkombination zu erhalten, die garantiert auf jedem Spielplatz auffällt. Ich denke, wie bei allem, kommt es auch hier auf das richtige Maß an und Mutter Natur hat es schon ganz gut eingerichtet, dass jeder den eigenen Nachwuchs für das Klügste und Schönste hält, was der Welt je passieren konnte. Ich denke, es kann für die Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins nicht schaden, wenn es da jemanden gibt, der unsere positiven Seiten hervorkehrt und alles Negative, was über einen gesagt wird, zunächst einmal in Frage stellt. Mein Sohn zumindest zeigt trotz meiner Begeisterung für seine blauen Strahleaugen bisher keine Anzeichen dafür, dass er sich bereits für den nächsten Frank Ol‘ Blue Eyes Sinatra hält – jedenfalls habe ich ihn noch nicht dabei erwischt, wie er vor dem Spiegel „New York, New York“ in eine Haarbürste schmettert.

Allerdings gibt es auch Auswüchse elterlichen Stolzes und elterlicher Angeberei, die mir persönlich – milde ausgedrückt – unglaublich auf den Keks gehen. Und zwar immer dann, wenn aus ein bisschen Angeberei ein Wettkampf entsteht. Dann wird nicht mehr mit verschämtem Stolz in der Stimme von den neuesten Heldentaten des Nachwuchses berichtet, sondern die „Leistungen“ des eigenen Kindes gnadenlos mit denen anderer Kinder verglichen. Schon wer in übersteigerter Form mit seinem Nachwuchs prahlt, wertet zugleich die Kinder anderer Eltern ab – sagen auch Psychologen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Wenn mehrere Eltern dieses Kalibers zusammentreffen, dann wird die vermeintlich harmlose Krabbelgruppe zu Germany‘s next Top Toddler. Was allein deshalb ein guter Vergleich ist, weil sich die jungen Damen um „Model-Mama“ Heidi zum Teil auf einem ähnlichen Entwicklungsstand zu befinden scheinen, wie die Kleinkinder. Sie lernen laufen, wenn man ihnen die Haare schneiden will, muss man ihnen sehr gut zureden, sie reagieren auf Kritik mit Trotz- oder Heulanfällen und hauen sich zwar nicht gegenseitig im Sandkasten die Schäufelchen auf den Kopf, tragen jedoch permanent Streitigkeiten auf einem ähnlich hohen Niveau aus.

Meine erste Begegnung mit einem überehrgeizigen Elternteil machte ich einst vor vielen Jahren in der Wartehalle eines Flughafens. Der Sohnemann war etwa elf Monate alt und kurz davor, die ersten Schritte zu gehen. Er zog sich fleißig überall hoch, um sich dann über eine möglichst weite Strecke zu hangeln. Das tat er nun auch auf dem Flughafen, während wir auf das Boarding warteten. Er zog sich an den Bänken in der Wartehalle hoch, um dann so lange daran entlang zu hangeln, bis er auf ein Bein oder das Ende der Stuhlreihe stieß. Kritisch beäugt wurde er dabei von einem Mann, der ebenfalls mit Kleinkind – nennen wir das Kind doch einfach Karl-Vincent – reiste. Nach einer Zeit kritischen Beäugens fragte Karl-Vincents Papa mich schließlich etwas, was ihm schon lange auf der Seele zu brennen schien: „Wie alt ist er denn?“ Ich ging davon aus, dass er den Sohnemann und nicht den holden Gatten meinte und antwortete: „Elf Monate. Und Ihrer?“, erwiderte ich. „15 Monate“, nuschelte Karl-Vincents Papa in seinen nicht vorhandenen Bart, um sich dann mit den Worten „Karl-Vincent, der Junge ist viel kleiner als du, stell dich doch auch mal hin, dann bist du größer!“, an sein Kind zu wenden. Karl-Vincent blieb unbeeindruckt sitzen und betrachtete irgendetwas in seiner Hand. Karl-Vincent war mir ausgesprochen sympathisch, während sein Papa jegliche Sympathiewerte verspielt hatte. Das wiederum schien Karl-Vincents Papa nicht zu beeindrucken, denn nun begann er ausführlich zu erzählen, dass sein Sohn mit dem Laufen ja noch nicht so weit sei, aber dass er ja auch schon häufig gehört habe, dass Kinder, die sich motorisch nicht so schnell entwickeln, besonders intelligent wären. Das verschlug mir die Sprache, was wiederrum Karl-Vincents Erzeuger dazu nutzte, während des begonnen Boardings zu einem Vortrag über die negativen Wirkungen von Schnullern anzuheben. (Sohnemann übte mit einem ganz besonders schönen Schnullerexemplar nämlich gerade Pirouetten im Mund zu drehen).

„Karl-Vincent hat ja keinen Schnuller, wir wollten ihm später einmal die Zahnspange ersparen. Außerdem ist ein Schnuller ja auch nicht so gut zum Sprechen lernen. Karl-Vincent artikuliert sich schon sehr deutlich.“ Karl-Vincent fing an zu brüllen – sehr artikuliert, sehr deutlich. Und lang. Sehr lang. Genaugenommen gefühlt durchgehend vom Boarding bis zum Ende des Acht-Stunden-Flugs. Wir saßen in der Reihe neben Kar-Vincent und seinem Papa und meine Gefühle schwankten zwischen Mitgefühl und Schadenfreude. Wir hatten ein solches Gebrüll vom Sohnemann auf dem Hinflug fast durchgehend ertragen müssen. Normalerweise hätte ich daher für den armen Papa neben mir zumindest ein paar mitfühlende Worte parat gehabt oder einen Keks zur Ablenkung für das Kind angeboten. Aber da ich mit einem Vortrag über gesunde Ernährung und Butterkekse rechnete, verkniff ich mir das lieber.
Mit überbordendem Konkurrenzgehabe macht man eben nicht nur die anderen klein, man grenzt sich auch ab und das nicht unbedingt zum eigenen Vorteil…

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Das Des-Kaisers-neue-Kleider-Phänomen oder „Aber du hast ja gar nichts an!“

Zwillingsratgeber cute-baby-2220375_960_720 Das Des-Kaisers-neue-Kleider-Phänomen oder „Aber du hast ja gar nichts an!“

Da wartet man sehnsüchtig auf die ersten Worte des geliebten Kindes, ist vom ersten „Mamamam“ oder „Papapap“ zu Tränen gerührt, zeigt sich hocherfreut wenn Unmut nicht mehr durch schrilles Gebrüll sondern ein eloquentes „Karl-Ole hat Aua-Bauch“ kundgetan wird, um dann nach kürzester Zeit festzustellen, dass man in gewissen Situationen die Sprachlosigkeit des jungen Erdenbürgers mehr als vermisst.

Ich nenne solche Situationen gerne meine „Des-Kaisers-neue-Kleider-Momente“ – warum, werde ich gleich erklären.

Der Sohnemann war etwa drei Jahre alt und es war einer dieser Tage, die eindeutig zu wenige Stunden haben. Kaum ist das Kind glücklich im Kindergarten gelandet, vergehen fünf Stunden wie eine. Du erledigst einen Haufen Kram und wenn es Zeit ist, das Kind wieder abzuholen, fragst du dich, was du eigentlich die ganze Zeit gemacht hast und warum du noch nicht einmal zum Duschen gekommen bist. Das galt es an diesem speziellen Tag dann ganz dringend nachzuholen – die Sache mit dem Duschen. Doch kaum will ich mich ins kühle Nass begeben, läutet das Telefon. Egal, kann warten – wozu hat man einen Anrufbeantworter.

Doch dann tut der Sohnemann etwas, was er sonst nie tut: er nimmt den Anruf entgegen! Eigentlich hasst er Telefonieren – bis heute. Er scheut es wie der Teufel das Weihwasser und wenn ich ihn zu Geburts- und Feiertagen mit viel gutem Zureden und notfalls auch Bestechung dazu bekomme, für einen lieben Verwandten ein halbherziges „Alles Gute. Tschüss.“ in den Hörer zu murmeln, dann ist das schon eine große Sache. Doch ausgerechnet in diesem Moment ist das Telefon interessant. Ich schwinge mir also rasch ein Handtuch um den bereits bloßen Leib und haste aus dem Badezimmer – es könnte immerhin ein Auftraggeber sein. Sohnemann streckt mir schon das Telefon entgegen. Immerhin ist es kein Auftraggeber sondern meine Freundin K..

Sohnemann guckt mich kritisch an, zeigt mit seinem Zeigefinger auf mich und ruft ganz entsetzt: „Aber du hast ja gar nichts an!“. Anscheinend zählt für ihn ein eventuell tatsächlich auch etwas kleingeratenes Handtuch nicht als Bekleidung. Mit bösem Blick und fuchtelnder Hand versuche ich dem Kind zu signalisieren, dass es doch bitte ruhig sein möge, aber der Sohnemann versteht mein Gestikulieren als Aufforderung, noch einen draufzusetzen: „Warum telefonierst du nackt?!“ Ich werde hochrot, fühle mich an Albträume erinnert, in denen man entblößt in der Fußgängerzone steht und murmele ein rechtfertigendes „Ich habe ein Handtuch um, komme gerade aus der Dusche.“ ins Telefon. K. lacht. K. hat auch Kinder. K. hat auch diese schöne Postkarte in der Küche hängen auf der steht „Mich regt nichts auf. Ich habe Kinder.“ Aber dazu ein andermal mehr. K. kennt jedenfalls diese „Des-Kaisers-neue-Kleider-Momente“. K. erzählt, dass sie nur noch mit tief geneigtem Kopf durch ihr Treppenhaus schleicht, seit sie dort einmal gemeinsam mit ihrer Tochter der Nachbarin begegnete und Töchterlein meinte, lautstark fragen zu müssen, warum die dicke Frau denn so ein hässliches Kleid anhabe. Ja, Kinder.

Ich muss zugeben, manchmal kann ich nicht sagen, ob es tatsächlich die kindliche Unschuld ist, die uns derartige Momente beschert oder ob nicht doch auch manches Mal ein wenig Plan nach dem Motto „klein und gemein“ in solchen Situationen steckt.

Die vermeintlich jugendliche Unschuld kann einen in jedem Fall ganz schön in die Bredouille bringen. Diese Erfahrung musste auch Sohnemanns geliebte Tante einst machen. Der Sohnemann verbrachte in den letzten Sommerferien eine Woche bei meiner Schwester im schönen Nordwesten und hätte bei dieser Gelegenheit die liebe Tante beinahe in ganz schöne Schwierigkeiten gebracht, wären die Umstände nur ein wenig anders gewesen. Sohnemann und Tante erledigten ein paar Einkäufe in einer bekannten Drogeriemarktkette. Das heißt, die Tante kaufte ein und der Filius verkrümelte sich in eine dieser Spieleecken für die er eigentlich mindestens vier Jahre zu alt ist.  Als die Tante alle Einkäufe zusammengesucht hatte, wollte sie den Sohnemann zum Gang an die Kasse einsammeln – was dieser gar keine gute Idee fand. Da er nun aber aus dem Spieleecken-Alter eigentlich rausgewachsen ist und damit glücklicherweise auch aus dem Alter, in dem man sich in solchen Situationen mit Armen und Beinen strampelnd schreiend auf den Boden wirft, versuchte er eine andere Masche. Er guckt die liebe Tante ganz ernst und unschuldig an und sagt lautstark: „Ich gehe nicht mit Ihnen. Ich kenne Sie doch gar nicht!“. Die Tante war jedenfalls sehr froh, dass das erstens niemand um sie herum hörte oder hören wollte und der Sohnemann zweitens die Situation nur Sekundenbruchteile später durch ein Lachen auflöste und dann doch gleich mitkam. Von mir gab es später dennoch einen Vortrag über angemessene und unangemessene Scherze und die schöne Geschichte vom Hirtenjungen, der aus purer Langeweile immer alle verschreckt, indem er behauptet, ein Wolf wäre im Anmarsch, was dann niemand mehr glaubt, als der Wolf dann wirklich auftaucht, setzte ich auch noch obendrauf. (Das Ganze auch noch über das verhasste Telefon – ja, klein und gemein kann ich nämlich auch!) Und ich musste mich ernsthaft fragen, wann hört sie auf, die kindliche Unschuld und wo fängt Berechnung an?

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Geständnisse – das geheime Leben einer Mutter

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Leider muss ich nun all diejenigen enttäuschen, die hoffen, hier zu lesen, wie ich einmal im Jahr meinem tristen Alltag für eine Woche entfliehe, um mich in einem verschwiegenen kleinen Hotel in Südfrankreich mit meinem langjährigen Liebhaber zu treffen, während Mann und Kind glauben, ich würde mit der besten Freundin eine Wellnesswoche im Harz einlegen. Auch wenn dieser Plan für meinen Göttergatten wahrscheinlich schon erschreckend durchdacht wirkt, derart pikante Details habe ich nicht preiszugeben.

Und auch die, die denken, ich gebe an dieser Stelle meine Tarnung als geheime Geheimagentin mit gefährlicher Mission auf und endlich zu, dass Mann und Kind nur als Tarnung dienen, damit niemand ahnt, dass ich in Wahrheit doch so gefährlich und hintertrieben bin wie ich aussehe, sollten nun nicht weiterlesen – sie werden kaum auf ihre Kosten kommen. 

Aber dennoch kann ich versprechen, dass die kleinen Geheimnisse, die ich im Folgenden gestehe, moralisch nicht unbedingt weniger fragwürdig und für mich manchmal nicht weniger aufreibend sind. Und ich weiß ganz sicher, dass viele Mamas und Papas meine Geheimnisse teilen – ha!

Im Laufe der nunmehr bald acht Jahre als Mutter eines aufgeweckten Kindes habe ich mir ein paar schlechte Angewohnheiten zugelegt, die für mich nahezu überlebenswichtig geworden sind:

  • Ich heuchle Aufmerksamkeit: Ich hatte bereits zu Schulzeiten ein Talent dafür, im Unterricht nicht zuzuhören, aber wenn ich aufgerufen wurde, dennoch eine mehr oder weniger richtige Antwort parat. Dieses Talent habe ich in den letzten Jahren perfektioniert. Ich kann mir inzwischen stundenlang Ausführungen des Sohnemanns anhören – oder besser gesagt, eben nicht anhören – in denen er erklärt, warum Lavamonster stärker sind als Eismonster und was Erdmonster für besondere Fähigkeiten haben. Ohne darüber nachdenken zu müssen, streue ich „Mhms“ und „Ahas“ an der richtigen Stelle ein und kann sogar die ein oder andere Nachfrage zum Monolog einwerfen, während ich mir dabei beispielsweise den Text für die nächste Glosse ausdenke. Ähnlich verfahre ich bei gewissen Telefonaten, wobei ich da nebenbei sogar noch die Wäsche aufhänge, koche oder die Spülmaschine bestücke – Multitasking at its best!
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  • Ich heuchle Askese: Gesunde Ernährung ist bei uns auf jeden Fall ein Thema. Gerne erzähle ich dem Sohnemann Geschichten über die guten und die schlechten Bakterien in seinem Darm und welche der Bakterien er mit welchen Lebensmitteln füttern muss, damit sich in seinem Bauch auch alle vertragen und das Immunsystem fit und stark bleibt. Und das Salatessen macht dem Sohnemann gleich viel mehr Spaß, wenn er sich vorstellt, damit die helle Seite der Macht im Universum der Darmbakterien zu unterstützen. Dennoch müssen auch die bösen Buben im Innenleben meines Kindes nicht darben. Gerade von den Großeltern werden meine Bemühungen hinsichtlich ausgewogener Kost gerne untergraben. So gibt es Zeiten, vor allem um Fest- und Feiertage herum, da stapeln sich bei uns die Naschereien und ich muss meine berühmte Predigt über das Maßhalten öfter von mir geben, als mir lieb ist und natürlich und vor allem mit gutem Beispiel vorangehen. Und alle die mich kennen, dürften wissen, wie schwer mir das besonders in Hinblick auf Schokolade fällt! So erwische ich mich oft genug dabei, wie ich die Gunst eines unbeobachteten Augenblicks nutze, um in die Küche zu schleichen, die Ohren aufzusperren, ob Mann und Kind auch wirklich nicht in der Nähe sind und ganz schnell eine Süße Köstlichkeit in mich hineinzustopfen. Und werde ich dennoch vom Sohnemann beim Kauen erwischt und kann der neugierigen Frage, was ich denn da gerade esse nicht ausweichen, nuschle ich ein „Nüsse“, denn die mag das Kind nicht. Zu faul für Heimlichkeiten greife ich auch schon mal auf profane Lügen zurück und sage dem Sohnemann, die leckeren und eigentlich völlig jugendfreien Pralinen, die ich da gerade in mich hineinstopfe, könne er ohnehin nicht essen, die seien mit Alkohol gefüllt.
Zwillingsratgeber praline-182861_960_720-1 Geständnisse – das geheime Leben einer Mutter

  • Ich heuchle Selbstlosigkeit: Wenn der Göttergatte bereits den dritten Abend in der Woche zum Sport oder anderen aushäusigen Aktivitäten möchte und kleinlaut und zerknirscht fragt, ob das denn für mich auch in Ordnung sei, schon wieder abends mit dem Kind allein zu Hause zu hocken und ob ich mich denn auch nicht langweile, dann setze ich eine leicht enttäuschte Miene auf, verkünde dabei jedoch generös, dass das schon okay ist und dass mir bestimmt etwas einfallen wird, um mich zu beschäftigen. Innerlich führe ich derweil ein kleines Freudentänzchen zu der Musik einer Mariachi Band auf, die nur für mich in meinem Kopf spielt. Und kaum ist die Katze aus dem Haus, bugsiere ich den Sohnemann besonders früh ins Bett, indem ich ihm verspreche, dass er noch ein extralanges Hörspiel vor dem Einschlafen hören darf. Dann kommt Punkt zwei ins Spiel und ich krame alles an Süßigkeiten hervor, was ich finden kann und mache mich auf dem Sofa so breit wie nur irgend möglich, um schließlich den Fernseher anzuschalten und all die Serien zu gucken, die ich mir sonst nicht ansehen kann, ohne dass jemand im Zimmer ist, der unqualifizierte Kommentare dazu abgibt oder sich darüber aufregt, dass die Werbung immer dümmer und die Werbeunterbrechungen immer länger werden. Ja, ich weiß, die Partys sahen auch für mich vor zehn Jahren noch anders aus und statt nach einem Glas Rotwein vor dem Fernseher einzuschlafen floss der Tequila bis in die frühen Morgenstunden. Doch heute gebe ich zu: mir sind meine Ein-Frau-Fernsehgammel-Partys derzeit tausendmal lieber.
  • Apropos Fernsehen: Den Medienkonsum des Sohnemanns versuche ich natürlich auf ein angemessenes Maß zu beschränken und auch da bleibt es natürlich nicht aus, der Glaubwürdigkeit wegen als gutes Vorbild aufzutreten. Erkläre ich abendliches Fernsehen dann doch noch ganz pädagogisch wertvoll damit, dass Erwachsene ja eben doch einige Dinge machen, die Kinder noch nicht dürfen, weil sie ja auch ganz anders damit umgehen können, so gibt es verregnete Nachmittage, an denen ich mir die Pädagogik spare und gnadenlos meine Arbeit als Vorwand nutze, um mich gepflegt in den sozialen Netzwerken herumzutreiben oder auch schon einmal mit Kopfhörern gewappnet noch eine, wirklich nur noch eine letzte Folge meiner aktuellen Lieblingsserie gucke. Für den derweil brav spielenden Sohnemann mache ich in dieser Zeit noch Recherchen für einen Text, der ganz bald abgegeben werden muss – einer der vielen Vorteile, wenn man als Schreiberling von zu Hause aus arbeitet.

Nach diesem umfassenden Geständnis möchte ich noch ein paar Worte an mein Kind richten: Wenn du das hier liest, du darfst es mir später gerne heimzahlen. Wenn du in der Pubertät bist, bekomme ich geheimnistechnisch wahrscheinlich alles doppelt und dreifach zurück und falls nicht: Wenn ich einmal alt und klapprig bin und dir zum zehnten Mal von dem aufregenden letzten Bridgeabend erzähle, dann setze nur die „Mhms“ und „Ahas“ an den richtigen Stellen ein und bring mir mit Alkohol gefüllten Pralinen mit, denn die mag ich eigentlich überhaupt nicht!

 

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Wer erzieht hier eigentlich wen?

Zwillingsratgeber baby-boy-84489_960_720 Wer erzieht hier eigentlich wen?

Babys – unschuldige und zarte kleine Wesen, die nur darauf warten, dass die Eltern ihnen liebevoll aber bestimmt den Weg ins Leben weisen, kleine Gefäße, die gefüllt werden wollen mit Wertvorstellungen und Lebensweisheiten. So oder so ähnlich dachte ich bis zur Geburt meines Sohnes. Wie sollte ich auch anders. Schließlich hatte mir niemand gesagt, dass man mit einem Baby nicht ein kleines formbares Geschöpf gebiert, sondern ein bereits fertiges kleines Menschenwesen auf die Welt bringt, das unverschämter Weise bereits sein eigenes Temperament und – ja das glaube ich inzwischen tatsächlich – seine ganz eigenen Vorstellungen davon hat, wie die Welt um es herum sein sollte.

 

Schon als Baby erlaubte sich mein Sohn nicht nur zu schreien und zu quengeln wenn er hungrig oder müde war. Auch frisch gestillt nach seinem Mittagsschläfchen zeigte er oft lautstark seine Unzufriedenheit. So ist es kaum verwunderlich, dass eines der ersten Wörter in seinem Wortschatz „NEEEEIIIIN!“ hieß und er später dann etwas ausgefeilter in der Phase der Zweiwortsätze eine Vorliebe für ein sehr konsequentes „WILL NICHT!“ hatte. Ja, so ein Kind kann für seine Größe schon ausgesprochen willensstark sein. Und so frage ich mich manches Mal: Wer erzieht hier eigentlich wen? Denn für all die Dinge, die ich dem Sohnemann in den letzten Jahren in mühseliger Kleinarbeit beigebracht habe, gibt es mindestens drei Sachen, die er mich gelehrt hat.

 

So habe ich inzwischen gelernt, dass, wer auch immer gesagt hat, Ordnung sei nur das halbe Leben, vollkommen recht hat. Habe ich in den ersten Lebensjahren meines Sohnes noch akribisch Playmobil und Duplo in verschiedene Kisten sortiert und zumindest aufgeräumt, wenn Besuch anstand oder mich wenigstens dafür entschuldigt, dass ich nicht zum Aufräumen gekommen bin, so haben wir inzwischen dank der Überzeugungskraft unseres Kindes nur noch Krimskramskisten und Besuch begrüße ich mit den Worten: „Ich wünschte, ich könnte sagen, hier sieht es sonst nicht so aus, aber das wäre glatt gelogen“. Ich habe eingesehen, dass es definitiv schöner ist, auf dem Sofa zu kuscheln oder sich gegenseitig durchzukitzeln als mit dem Wischmop durch die Gegend zu rennen.
Ich habe zudem eingesehen, dass sich Salat tatsächlich am besten mit den Fingern essen lässt, weil die kleinen grünen Blättchen auch wirklich schwer aufzuspießen sind. Ja, die Tischmanieren des Sohnemanns lassen an nicht wenigen Tagen zu wünschen übrig. Aber ich musste feststellen, dass ich mich beim Essen im Zweifelsfall lieber über das Wetter unterhalte als mir selber bei meinen sich ständig im Kreis drehenden Tiraden wie „Sitz ruhig benutze auch für den Salat eine Gabel iss ordentlich das Fleisch schneiden nicht reißen sitz ruhig…“ zuzuhören.

 

Und nicht nur ich, auch mein Göttergatte musste schon die ein oder andere erzieherische Maßnahme über sich ergehen lassen. So hat er vom Sohnemann in kürzester Zeit gelernt, was ich ihm in zehn Jahren Beziehung nicht nahebringen konnte: Versprochen ist versprochen und Pünktlichkeit ist eine Tugend. Denn Sohnemann lässt lahme Ausreden wie ein wichtiges Arbeitsmeeting keinesfalls gelten, wenn man doch für einen gemeinsamen Besuch in der Kletterhalle verabredet war. Da wird das Vatertier mit gnadenlosem Liebesentzug bestraft und selbst der verlockende Vorschlag, die verpatzte Verabredung durch abendliches gemeinsames Spielen auszugleichen wird abgelehnt mit der Begründung, dass man mit ihm spielt hätte der Papa jetzt nicht mehr verdient.
Ich bin also davon überzeugt: Wenn Eltern mit einem verklärten Lächeln behaupten, sie hätten durch ihre Kinder ja schon so viel Neues gelernt und würden die Welt noch einmal mit ganz anderen Augen sehen, dann ist das nichts weiter als der Code dafür, dass ihr Kind bei seiner Erziehung ausgesprochen erfolgreich war.

 

Doch muss ich zugeben, dass es immer häufiger Momente im Leben mit meinem Sohn gibt, in denen ich vor Stolz platzen könnte und denke, dass doch einige meiner Weisen Worte zwischen den Ohren hängen geblieben sind. So zum Beispiel, wenn er der Mutter einer Kindergartenfreundin, die doch tatsächlich meint, kleine glitzernde Pferdchen seien doch eher ein Spielzeug für Mädchen, selenruhig erklärt, dass es kein Jungs- und Mädchenspielzeug gibt, sondern das jeder spielen kann, womit er mag, so lange er damit niemandem weh tut. Oder wenn er beim Kauf unseres ersten Autos den Autohändler fragt, ob der Wagen denn auch möglichst umweltfreundlich sei. (Ironischerweise stellte sich hier später heraus, dass gerade das ausgewählte Modell vom Abgasskandal betroffen war und da hätte ich gerne eine Videoaufzeichnung von dem Moment gehabt, in dem der Autoverkäufer dem Sohnemann lächelnd in die großen blauen Kulleraugen schaut und versichert, dass der Wagen ganz besonders umweltfreundlich gebaut sei.)

 

Ich habe ja einmal gelesen, dass man Kindern am besten die Dinge beibringen kann, die einem auch wirklich wichtig sind und dass alles, was in die Kategorie „das macht man so“ fällt, selten überzeugend wirkt. Daher habe ich nun beschlossen, für diese Dinge geduldig auf die Enkelkinder zu warten – die können dann gerne meinem Sohn beibringen, dass sie ihr Playmobil und die Duplos lieber in getrennten Kisten hätten und dass sie nur mit ihm ins Restaurant gehen, wenn er auch den Salat mit der Gabel isst.

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Wir werden Papst

Zwillingsratgeber wir-werden-papst Wir werden Papst

Es gibt ja Menschen, die sind schnell dabei, wenn es darum geht, die berufliche Zukunft von Kindern vorauszusagen. Klein Fritzi hat eine Vorliebe dafür, seine Fingerchen in jede Steckdose zu stecken – na, der wird doch bestimmt mal Elektriker. Susi fährt in rasantem Tempo und mit lautem ‚Brummbrumm‘ allen, die nicht bei drei auf den Bäumen sind, mit dem Bobby Car über die Füße – die nächste Generation der Formel-1-Weltmeister ist geboren.

Die originellste Idee für die zukünftige Berufswahl meines Sohnes hatte einst ein mir völlig unbekannter Mensch in der Fußgängerzone. Sohnemann muss damals knapp zwei Jahre alt gewesen sein und einfach nur still im Buggy zu sitzen und die vorüberrauschende Welt zu bestaunen war einfach nicht sein Ding. Nein, es musste immer mindestens ein Körperteil in Bewegung bleiben und so war er irgendwann dazu übergangen, hoheitsvoll aus seinem Kinderwagen heraus dem Fußvolk zuzuwinken. Eines Tages kam uns nun ein älteres Ehepaar entgegen und beim Anblick meines winkenden Kindes rief der Mann begeistert aus: „Guck mal, Gerda! Der wird mal Papst!“

Mein Sohn selbst wollte ja zunächst lange Zeit Kindergärtnerin werden, weil man dann ja den ganzen Tag spielen kann. Abgelöst wurde diese Zukunftsplanung dann von dem Wunsch eine Laufbahn als Künstler einzuschlagen, was mich dazu veranlasste, voller Begeisterung nach Kinderzeichenkursen in der näheren Umgebung zu suchen, während der Göttergatte die Hände über dem Kopf zusammenschlug. Ich glaube, er hatte gerade einen längeren Vortrag zurechtgelegt, mit dessen Hilfe er den Sechsjährigen von einer weniger brotlosen Kunst überzeugen wollte und ich bin mir fast sicher, dass er für den Notfall schon mal nach streng naturwissenschaftlich ausgerichteten Internaten gegoogelt hat, als Sohnemann uns unterbreitete, er wolle jetzt doch lieber Tester und/oder Entwickler für Computerspiele werden. Komischerweise löste dies beim Göttergatten keine Panikattacken aus.

Ich bin, was die berufliche Zukunftsplanung meines Sohnes angeht, inzwischen ganz entspannt. Wenn es danach ginge, was man als Kind werden wollte, dann würde meine Frau Doktor Schwester nun als Eierfrau über Land fahren und den Ertrag ihrer ureigenen Hühnerfarm verkaufen. Meine Mutter hätte gar keinen Beruf erlernt, denn dazu hätte sie wegen ihrer zwölf Kinder keine Zeit gehabt. Und ich, ich würde als brotlose Autorin darauf warten, dass endlich jemand meine Genialität entdeckt – aber Moment, wenn ich recht überlege, ist das eigentlich genau das, was ich tue. Manchmal erfüllen sich Kindheitsträume eben doch.

Und falls mein Sohn später einmal so gar keine Idee hat, womit er sein Geld verdienen soll, ich hätte da ein paar Vorschläge:

Regisseur

Wenn wir zusammen mit Lego oder Playmobil spielen, dann ist dies eigentlich weniger ein ‚zusammen spielen‘, als vielmehr die Ausarbeitung einer genauestens geplanten Geschichte mit passender Choreographie – da bleibt kein Raum für spontane Entwicklung, denn ich bekomme genau vorgegeben, was ich sagen soll, was ich sehe und was meine Figuren zu tun haben und halte ich mich nicht daran, wird Sohnemann ausgesprochen ärgerlich. So sehe ich ihn vor meinem inneren Auge manchmal unwillkürlich ganz in schwarz gekleidet und mit Baskenmütze auf dem Haupt in einem Regiestuhl sitzen, unbarmherzig Anweisungen geben und zwischendurch seufzend den Kopf schütteln: „So kann ich nicht arbeiten!“

Topmanager

Ich habe kürzlich gelesen, dass Kinder, die ihren Eltern häufig widersprechen, später zu starken Führungspersönlichkeiten werden und ein großes Konfliktpotential entwickeln (entwickeln?!). Wenn es danach geht, können sich Winterkorn und Co schon einmal warm anziehen!

Berühmtheit

Dies ist zumindest das Ergebnis eines Tests, den man bei einem großen Internetportal absolvieren kann, wenn man sich nicht mehr eine gewisse Anzahl an Jahren gedulden möchte, um zu erfahren, was denn aus dem Nachwuchs wird. Ich vermute, dieses Ergebnis ist die nette Umschreibung für „deinen wirren Antworten nach zu urteilen kann dein Kind alles und nichts“. Andererseits passt es hervorragend zu den vorangegangenen Vorschlägen.

Also – wenn ich es mir recht überlege, so freunde ich mich immer mehr mit der Idee an, dass mein Sohn vielleicht doch einmal Papst wird. Das wäre immerhin ein Grund häufiger mal nach Rom zu reisen, um ihn in Vatikanstadt zu besuchen.  

Was haben denn Eure Zwillinge für Berufswünsche? Ab damit in die Kommentare, wir freuen uns drauf.

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Glosse: Blondinen bevorzugt

Zwillingsratgeber curls-1198699_960_720 Glosse: Blondinen bevorzugt

Zwillingsratgeber avatar_user_6_1480328364-250x250 Glosse: Blondinen bevorzugt  Heute kommt jemand neues zu Wort – Michaela wird in Zukunft immer mal wieder einen Beitrag hier veröffentlichen. Nicht Zwillingsbezogen, dafür umso lustiger. Ihr dürft gespannt sein 🙂 – paar mehr an Infos über sie findet ihr unter diesem Beitrag.


Blondinen bevorzugt

Es heißt ja immer so schön, dass Männer eine Schwäche für Frauen haben, die ihrer Mutter ähneln. Bei meinem Sohn scheint dies – zumindest was das Äußere angeht – nicht der Fall zu sein. Er hat bereits im zarten Alter von etwa drei Jahren eine Schwäche für blonde Frauen entwickelt. Und dass ich blond bin, kann wirklich niemand behaupten. Geschuldet ist seine Vorliebe für Blondinen wohl einer seiner Tanten, die er heiß und innig liebt und der er gerne versonnen durch ihr „goldenes Haar“ streicht. Ich erinnere mich zudem an einen Schwimmbadbesuch, bei dem eine blonde Dame die Umkleide betrat und mein Sohn sie anstarrte, als wäre soeben ein Engel vom Himmel herabgeschwebt. „Mama, die Frau ist aber schön! Die hat sooo schöne Haare!“ Ich möchte wetten, dass die Dame für den Rest des Tages bester Stimmung war. Denn jeder, der schon einmal ein Kompliment von einem Kind bekommen hat, weiß, wie gut das tut.

Als mein Sohn etwa zehn Monate alt war, unternahmen wir mit ihm unsere erste große Reise und überquerten den Atlantik Richtung New York. Wir waren jung und naiv und dachten, ein acht Stunden Flug mit Baby kann ja nicht so schlimm werden. Als wir mit drei Stunden Verspätung, viel Geschrei, zerzaust und fertig mit der Welt landeten, sprach mich beim Aussteigen aus dem Flugzeug ein etwa zehnjähriger Junge an: „You have such a beautiful Baby! He has beautiful eyes.“ Sofort war mein Mutterherz erwärmt und wieder versöhnt mit meinem kleinen Schreihals und dem Rest der Welt. Und ich dachte mir, wenn mein Sohn doch in dem Alter auch so charmant und von Herzen sagen könnte, was ihm gefällt.

Aber man soll ja bekanntlich aufpassen, was man sich wünscht. Es könnte nämlich in Erfüllung gehen. Mein Sohn ist ein großartiger Komplimente-Macher und ein kleiner Charmeur. Zumindest bei anderen. Denn die Komplimente, die ich von ihm bekomme, sind meist eher fragwürdiger Natur. Bei meinem Wunsch damals auf dem Flughafen habe ich nämlich vergessen, dass Komplimente von Kindern immer mit einer großen Ehrlichkeit verbunden sind und dass ein Kind, das Komplimente macht, auch genauso lautstark die Dinge feststellt, die ihm sonst so auffallen. So sind meine Haare nach Meinung meines Sohnes nicht „golden“, sondern „irgendwie orangebraun“. Immerhin  glitzern die grauen Haare, die sich allmählich vereinzelt zeigen (wem habe ich die wohl zu verdanken?!), „so schön silbern“. Aber wen wundert der graue Ansatz: „Du bist ja auch schon fast so alt wie Oma!“. Das Netteste, was ich von meinem Sohn bisher zu hören bekam war wohl ein „Mama, im Ganzen bist du schön, aber deine Schuhe sind komisch.“

So sehr ich mich über ein Kompliment von einem Kind freue, so sehr geht mir aufgrund besagter Ehrlichkeit die galant verpackte Kritik des Sohnemanns zu Herzen. Daher stauben besagte Schuhe nun seit geraumer Zeit in der hintersten Schrankecke vor sich hin. Zudem denke ich über die Anschaffung eines Bauchwegtrainers nach. Nicht etwa, weil mein Sohn meinen Bauch hässlich findet. Mein Sohn liebt meinen Bauch. „Mama, dein Bauch ist so schön, weil er so weich ist wie ein Kissen.“ Mein Göttergatte grinst bei solchen Bemerkungen immer in sich hinein bis ich ihm meinen berühmten bösen Blick zuwerfe. Doch der Herr bekommt auch sein Fett weg. „Mama, in Papa hast du dich doch verliebt, weil er damals noch Haare hatte.“

Aber wie bei so vielen Dingen bin ich im Laufe der Jahre gelassener geworden, was die Anmerkungen meines Sohnes zu meinen äußeren Werten angeht. Mit meinen inneren Werten scheint er immerhin ganz zufrieden zu sein und das ist ja die Hauptsache. Zudem heißt es in der Fachliteratur, wer zu viel Lob und Komplimente bekommt, wird leicht überheblich und kann sich und seine Fähigkeiten nicht mehr realistisch einschätzen. Daher habe ich  beschlossen, meine Haare nicht blond zu färben, sondern meinem „irgendwie orangebraun“ mit silber Glitzer treu zu bleiben – den Bauchwegtrainer schaffe ich mir vielleicht aber doch an.

Habt Ihr auch paar lustige Bemerkungen Euer Kinder? Dann ab damit in die Kommentare 🙂