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Herz & Hautnah

Laut werden – weil wir alle etwas zu sagen haben

Das Thema Flüchtlinge und auch Ausländer im Allgemeinen spaltet die Bevölkerung schon seit geraumer Zeit. Aber vor allem jetzt finden diese Themen immer häufiger Erwähnung.

Wenn man sich die Medienberichte so anschaut, fängt man tatsächlich an zu glauben, es wäre falsch, sämtliche Flüchtlinge in unser Land zu lassen. Kriminalitäten scheinen sich zu häufen, sogar von Terroranschlägen wird berichtet. Die meisten Menschen schweigen sich zu diesen Themen aus, meist aus Angst, selbst zu einer Zielscheibe zu werden. Und die, die doch etwas zu sagen haben, sind meist auch die, die das eigene Land vertreten und sich gegen alle Ausländer stellen.

Auch im Alltag bin ich selbst schon oft auf Fremdenhass gestoßen; mein Sohn hat da zum Beispiel auch schon einiges erlebt. Der Vater meiner Kinder stammt aus Indien, und so ist es vielleicht auch gerade deshalb für meinen Sohn selbstverständlich, Freundschaften zu anderen ausländischen Kindern bzw. Jugendlichen zu pflegen, auch wenn er dadurch schon viele hässliche Situationen erleben musste.

So ging er zum Beispiel eines Abends mit seinem aus Afghanistan stammenden Ausbildungskollegen in die Disco. Am Eingang angekommen wurde zwar mein Sohn problemlos durchgewunken, sein Freund aber musste aufgrund seiner Herkunft draußen bleiben. Ihm wurde der Zutritt zur Disco verwehrt, er wurde weggeschickt. Für meinen Sohn war klar, dass er nicht ohne seinen Freund in die Disco gehen würde, und so verließen sie gemeinsam den von Ausländerhass geprägten Vergnügungsort.

Mein anderer Sohn musste ebenfalls eine ausländerfeindliche und gefährliche Situation über sich ergehen lassen. Er war mit einem Freund unterwegs, als die beiden von fünfzehn deutschen Jugendlichen belästigt wurden. Sie wurden bedroht, sollten Teile ihrer Kleidung ausziehen und einem der beiden wurde das Handy gewaltsam entrissen. Auch körperlich mussten die beiden viel einstecken. Mit einer Menge Geschick und Glück konnten sich die beiden von der Gruppe losreißen. Der Freund meines Sohnes war allerdings nicht schnell genug und wurde wieder geschnappt. Mein Sohn ist dann ebenfalls wieder zurück zu seinem Freund und den fünfzehn Jugendlichen, die noch immer keine Scheu hatten, ihren Hass zu zeigen und auch körperlich handgreiflich wurden. Meinem Sohn gelang es schließlich, seinen Vater anzurufen. Als dieser zum Ort des Geschehens kam, wurde die Gruppe unruhig und ängstlich und lief schließlich davon.

Solche Erlebnisse kommen immer wieder vor, und sie werden nicht weniger. Ich bin froh, meinen Kindern frühzeitig beigebracht haben zu können, dass Ausländer nicht auch zwingend Böses im Sinn haben. Wir lassen uns blenden von den Medien, die davon leben, Skandale noch größer zu machen. Über die schönen Erlebnisse auch mit Ausländern berichtet niemand.

#wirsindmehr – Demos gegen Fremdenhass

Da wir als Familie nicht wegschauen, waren wir auch auf den Demos in Chemnitz, denn es ist wichtig, nicht wegzuschauen …

Es ist wichtig, dass wir unseren Kindern schon früh zeigen, was Freundschaft wirklich bedeutet. Im Grunde sind wir alle gleich. Jeder Mensch, jedes Kind hat Freundschaft verdient, in einem fremden Land vielleicht sogar noch mehr. Ich weiß noch, dass meine Tochter einmal den Wunsch hatte, mit einem blondhaarigen Mädchen zu spielen. Dem Mädchen wurde aber der Umgang mit meiner Tochter verboten. Durch das ausländische Aussehen meiner Tochter hatte die Mutter des anderen Mädchens wohl Vorbehalte, und so blieb meine Tochter traurig und alleine zurück und verstand damals noch nicht, weshalb das andere Mädchen nicht mit ihr spielen durfte. Sie hatte ihr doch nichts getan, im Gegenteil. Sie mochte das Mädchen sehr und hätte gerne mehr Zeit mit ihr verbracht.

Es geht auch anders – schön wäre es wenn die Normalität wäre …

Eine Bekannte von mir arbeitet in einem Kindergarten und hat mir kürzlich eine wundervolle Geschichte erzählt. Mehrere Kinder saßen beim Frühstück. Ein deutscher Junge aß gerade sein Frühstück auf und wollte als Nachtisch seinen Pudding essen, den seine Mutter ihm eingepackt hatte. Ihm geschah ein Missgeschick, er öffnete den Pudding und der Becher fiel ihm aus der Hand. Alles verteilte sich auf dem Boden. Der Junge war traurig. Während sich die Erzieherin um die Schmutzbeseitigung kümmerte, beobachtete sie, wie ein dunkelhäutiger Junge dem deutschen Kind seinen Joghurt vor die Nase schob. Der Junge nahm den Joghurt dankbar an, bot seinem Freund aber an, sich den Joghurt zu teilen. So aßen sie den Joghurt gemeinsam, mit zwei Löffeln aus einem Joghurtbecher. Eine Geschichte, die mir noch heute häufig durch den Kopf geht, wenn ich Kinder auf der Straße beobachte.

Ein ähnliche Situation habe ich aber auch selbst schon erlebt. Ich kam vom Einkaufen aus dem kleinen Supermarkt um die Ecke. Meine Plastiktüte war schwer bepackt, und ich hatte Mühe, sie heil nach Hause zu bringen. Wenige Meter vom Laden entfernt riss mir plötzlich die Tüte, und sämtliche Lebensmittel verteilten sich auf dem Boden. Fluchend bückte ich mich und versuchte, alles aufzusammeln und wenigstens die kleinen Dinge in meine Handtasche zu packen. Den Rest würde ich vielleicht so tragen können. Plötzlich hockte sich jemand neben mich. Es war eine junge Dame mit einem Kopftuch, sie hatte dunkle Haut und dunkle Augen. Sie sprach kein Wort, aber sie hielt eine Stoftasche in der Hand und packte meine Lebensmittel dort hinein. Ich beobachtete sie mit verwundertem Blick und staunte, als sie mir die Tasche vor die Nase hielt. Sie lächelte und stand auf. Auch ich erhob mich, lächelte sie freundlich an und bedankte mich überschwänglich bei ihr. Sie antwortete nicht, aber nickte mir freundlich zu und ging ihren Weg.

Eine fremde ausländische Frau hat mir geholfen, meine Einkäufe aufzuheben und hat mir zudem noch ihre Stofftasche gegeben, die sie vielleicht selbst gebraucht hätte. Sie sprach kein Wort Deutsch, und doch war da Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit. Nicht eine Sekunde habe ich daran gedacht, sie könnte mit meinen Lebensmitteln einfach davonlaufen. Viele andere hätten so gedacht, hätten ihr die Tasche aus der Hand gerissen und sie angeschrien, sie solle verschwinden.

Ich nicht.

Aber so machen viele Erwachsene oft so vieles  kaputt, was einmal ganz wunderbar hätte werden können. Freundschaften werden schon im Kindergartenalter von den Eltern zerstört, bevor sie überhaupt geschlossen werden können. Natürlich haben Eltern den Instinkt, ihre Kinder zu schützen. Aber Freundschaft ist nichts Gefährliches, Freundschaft ist nichts Schlechtes. Freundschaft ist wichtig für die Entwicklung unserer Kinder, für das Großwerden, für das spätere Leben. Kinder sind ohnehin meist vorbehaltslos. Sie finden andere Kinder nicht „seltsam“ oder „komisch“. Im  Gegenteil, sie sind offen und neugierig und schließen andere Menschen schnell in ihr Herz. Auch Ausländer. Doch die meisten Erwachsenen versuchen, das zu unterbinden und machen aus ihren Kindern Menschen, die sie eigentlich gar nicht wären, würden die Eltern ihnen den Selbsthass nicht von vornherein vorleben. Umso wichtiger ist es, unsere Kinder beim Schließen von Freundschaften zu begleiten und zu unterstützen. Wir sollten ihnen zeigen, was Offenheit und Toleranz ist, was Akzeptanz und Inklusion bedeutet.

Schließlich sind wir alle nur Menschen, und jeder Mensch, egal wie er aussieht, egal wo er herkommt, hat eine Chance verdient.

Dieser Blogbeitrag ist Teil der Blogparade: Stimme erheben – laut werden: die große Blogparade #lautwerden #stimmeerheben #blogfamiliablogparade

Die Blogfamilia ist eine Konferenz zur Weiterbildung von (Eltern-)Bloggern. Organisiert wird die Veranstaltung von Grossekoepfe.de, stadtlandmama.de, familienbetrieb.info, Nieselpriem, Heute ist Musik, Am Ende denk ich, ichbindeinvater.de

 

 

Zwillingsmutter (Jungs) + 1 (Tochter), Musik-, Indien- und Lyrikfan. Arbeitsmässig habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht und arbeite als Head of Online-Marketing für einen Finanzdienstleister. Falls Du Fragen zum Marketing / SEO für deine Webseite hast, kannst Du mich gerne einfach anschreiben.

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